Frankenweenie – Zombie-Hollywood

Von der knattrigen Windmühle bis zu den sedierten Stadtbewohner New Hollands. Es ist vielleicht nicht die Filmindustrie selbst, die wir heute auf dem Sterbebett husten sehen, aber sehr wohl das Kino, so wie wir es noch kennen. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Heute grenzt es immerhin schon an schrullige Nostalgie, wenn man den Entschluss fasst ins Kino zu gehen. Dann sind nämlich die Chancen groß verwunderte Sätze zu hören wie: “Was? Ins Kino? Warum, wenn du dir das auch im Netz anschauen kannst?”

Hin und wieder packt mich aber doch die Lust mich den Vor- und Nachteilen eines Kinobesuchs auszusetzen. Das liegt vorallem daran, dass gleich gegenüber von mir ein solches betrieben wird. In dem mittelgroßen Saal waren wir zur “Frankenweenie” OmU–Vorstellung nur zu dritt. Mit unserem Eintrittsgeld haben wir vielleicht gerade mal einen Teil des Gehalts des Filmvorführers gedeckt. Zwecks der Platzwahl konnten wir uns nicht beklagen.

New Holland, der Ort in dem die Handlung spielt, pflegt eine alte Windmühle als Wahrzeichen. Sie steht prominent auf einem großen Hügel und dreht sich schläfrig neben den riesigen Buchstaben “New Holland” im Stil des berühmten Hollywood-Schriftzugs. Wie in Tim Burtons Kurzfilm “Frankenweenie” ist alles in Schwarzweiß gehalten. (wobei der Projektor bei dieser Aufführung nicht gerade hell war und die 3D-Brillen zusätzlich abdunkelnd wirkten)

Die Bewohner sind extrem stereotype Figuren und wären bestimmt lustig aufzufassen gewesen, wenn sie nicht alle durch ihre stets halbgeöffneten Augen so wirken würden, als kämpften sie permanent mit der Ohnmacht! Alle, bis auf Weird Girl mit ihrer Katze Whiskers. Das sind die beiden Charaktere, die den ganzen Film lang ihre Augen weit aufgerissen haben – das andere Extrem. Dazu kommt das fahle Licht und der Eindruck ist perfekt. New Holland und seine Einwohner scheinen jeden Moment zu entschlafen. Eine groteske Mischung aus fantastischen Vorgängen und schläfrigen Blicken versetzt den Film in eine ungewöhnliche Stimmung. Die Handlung ist vorhersehbar, ohne sich selbst dabei etwas vorzumachen. Und auch das fügt sich nahtlos in das Bild völliger Überzeichnung in vielerlei Hinsicht.

Vincents Hund, Sparky, wird von einem Auto angefahren und von der Familie begraben. Mit etwas Inspiration aus dem Physikunterricht unternimmt Vincent den bizarren Versuch das tote Tier wiederzubeleben. Für die nötige Energie sorgt ein Gewitter, gewissermaßen ein Geistesblitz. Etwas, das man zuhause mit konventionellen Mitteln nicht nachbauen kann. Vincent reanimiert den toten Köter mit viel Krach und Wirbel, so wie Hollywood die Kinos mit 3D-Brillen und HighFrameRate-Vorführungen retten will. Aber alles schläft schon in New Holland und der wiederbelebte Hund springt freudig und ahnungslos herum, während er auseinanderfällt. Er versucht zu trinken, aber das Wasser rinnt ihm gleich wieder aus allen Ritzen und Nähten. Ein undichtes, kränkliches Haustier, dass sich nicht mehr selbst aufrecht erhalten kann. Nach wenigen Stunden muss es mit Strom gespeist werden, damit es wieder anspringt.

Zu allem Überdruss hat das komische Mädchen aus Vincents Klasse all das schon aus der Scheiße ihrer Katze lesen können. Etwas großes würde mit Vincent und seinem Hund passieren. Genauso wie eine große Veränderung mit der Ankunft der Audiokassette, dem Videorekorder und mit CD und DVD gekommen ist. Video killed the radiostar, internet kills the cinema!

Sparky rennt in die Mühle, wird von dem Feuer der brennenden Ruine eingeschlossen und liegt abermals tot auf der Erde. Mit Starterkabeln wird das Wunder noch einmal heraufbeschworen – viel Hoffnung, viele Tränen – eine überaus theatralische Inszenierung, das Kino weint um sich selbst. Und ja, der geflickte Zombie-Hund stößt ein müdes Schnaufen aus und rappelt sich zittrig wieder auf. Alle stehen im harten Scheinwerferlicht auf dem Hollywood Hügel und freuen sich mit Tränen in den Augen – die Leiche läuft wieder! Und keiner wollte mehr daran glauben …

The end?

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